Begrenzung des Bildausschnitts geläufige Praxis.
Den Einfluss der Wissenschaft auf die künstlerische Naturwahrnehmung wird in der gleichsam präfotografischen Wiedergabe von Landschaft in der Malerei seit der Renaissance sichtbar: man denke nur an das berühmte Rasenstück von Albrecht Dürer. Anfang des 19. Jahrhunderts wird die Darstellung des Naturfragments unter Künstlern richtig populär. Diese Vorliebe für die „paysage intime“ war das Ergebnis jener „Erdleben“-Malerei, die der Romantiker Carl Gustav Carus in seinen 1833 veröffentlichten „Briefen über die Landschaftsmalerei“ wie folgt beschrieben hatte: „Der stillste Waldwinkel mit seiner mannigfach treibenden Vegetation, der einfachste Rasenhügel mit seinen zierlichen Pflanzen wird das schönste Erdlebenbild gewähren können, welche, wenn nur mit der Seele erfaßt, nichts zu wünschen übrig lassen.“ Mit Liebe zum Detail hielt man die verborgenen Schönheiten einer Blumenwiese, eines von Moos überwachsenen Felsen oder von Gräsern am Wegesrand fest. Auch die Fotografen haben im 19. Jahrhundert ähnliche Motive in anatomischer Genauigkeit aufgegriffen und fotografische Naturstudien hergestellt, die als „unerschöpfliche Quelle nützlicher Unterweisung“ die Maler in ihrer Wahrnehmung stimulierten. Diese fotografischen „études d`après nature“ dienten den Künstlern als Gedächtnisstütze, um im Atelier Erscheinungsformen der Landschaft und der Lichtführung aufs Neue zu vergegenwärtigen.
Die Methode, die Natur aus Einzelstücken zu einer neuen konstruierten Landschaft zusammenzusetzen, ist in der Malerei und Fotografie im 19. Jahrhundert allgemein praktiziert worden. So ist das berühmte Gemälde „Kreidefelsen bei Rügen“ von Caspar David Friedrich keineswegs unmittelbar nach der Natur gemalt worden, sondern stellt die Synthese von zahlreichen Skizzen dar, die der Maler an unterschiedlichen Orten hergestellt hatte.
„So entstanden Landschaften, die es in der Natur nicht gibt, die jedoch „naturmöglich“ sind und „die Friedrich nie gesehen hatte, aber aus anderen Darstellungen oder von Beschreibungen her kannte.“(Hans Hofstätter)