Alexander Timtschenkos oder Michael Reisch intensiver auseinandergesetzt. Ihre Aufnahmen geben eine Form der Kunstnatur wieder, die in realiter nicht existiert, die es aber so geben könnte. Diese künstlichen Landschaften beruhen auf einer Bildrhetorik, die unsere Imagination von idealer Natur widerspiegeln.
Für Eva Leitolf ist der Wald, ähnlich wie für Juergen Teller, ein mit Kindheitserinnerungen gesättigter Schauplatz. Er verheißt Freiräume, ist aber zugleich besetzt mit Ängsten und Beklemmungen. Der Wald ist folglich ein vertrauter und unheimlicher Ort, um den sich merkwürdige Erzählungen und Sagen ranken.
Jeder von uns kennt eine der zahlreichen Märchen der Brüder Grimm, die oft auf volkskundlichen Überlieferungen beruhen, in denen der Wald von Kobolden, Zwergen, Wichteln, Elfen und Hexen bevölkert ist.
Der Wald und das Naturerlebnis spielen ebenfalls in der Literatur der Romantik von Novalis bis Adalbert Stifter eine zentrale Rolle sowie in der deutschen und französischen Malerei, denken wir nur an die „Bois sacrées“ der Künstlergruppe der Nabis, wo der Wald als mythische heilige Stätte verehrt wurde.
Ich möchte behaupten, dass unser heutiges Naturerleben noch unmittelbar von den Erfahrungen der Romantik beeinflusst ist, die in den Zeiten der frühen Industrialisierung und Verstädterung in der Natur eine Rückflucht vor den Fährnissen und Bedrohungen der modernen Zivilisation sahen. Gleichwohl ist unsere Auffassung von Natur ständigem Wandel unterworfen und wird mittlerweile nachhaltig von medialen Surrogaten geprägt.
Im Zeitalter der Romantik war das Naturempfinden und –erlebnis noch eng verbunden mit dem Glauben an eine als „göttlich“ empfundenen „beseelten Natur“. Die Natur als Abbild der menschlichen Seele und des Gemüts zu verstehen, würde jedoch zu kurz greifen, da in dieser Zeit die analytische Betrachtung der Natur bereits das künstlerische Verständnis derselben wesentlich mitbestimmte. Angeregt durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse in Geologie und Botanik waren die nahsichtige Versenkung in die Materie der Natur und die damit verbundene Begrenzung des Bildausschnitts geläufige Praxis.