Eva Leitolf
Antje Weber

Der Himmel über Namibia
Eva Leitolfs Foto-Ausstellung „Rostock Ritz“ im Völkerkundemuseum


Die Farben, es sind vor allem die Farben. Sehr hell, fast fahl, viel Wüstenbeige, schwach kontrastiert von verschwimmendem Himmelsblau. Es sind die Farben Namibias, jenes dürren, weiten Landes im Süden Afrikas. Doch die traumverlorenen, eine gelassene Ruhe ausstrahlenden Bilder der Münchner Fotografin Eva Leitolf sind mehr als atmosphärisch aufgeladene Landschaftsaufnahmen. Auf den ersten Blick mögen sie unauffällig aussehen, auf den zweiten gewähren sie lakonische Einblicke in eine Gesellschaft, deren schwierige Geschichte eng mit der deutschen verknüpft ist. Da verkleidet sich ein Farmerpaar für den Wüsten-Fasching. Ein Reiterdenkmal in Windhoek ist mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift „slave“ beschmiert worden. Mitglieder des Schützenvereins Tsumeb schießen in die Luft. Und auf einem unscheinbaren Grabmal zwischen hässlichen Betonplatten kann man mit Mühe den Namen Samuel Maharero entziffern – Anführer der Herero im Krieg gegen die deutsche Kolonialmacht.

1904 begann jener erbitterte, blutige Krieg, ein besonders peinliches Kapitel deutschen Militärexports. Genau hundert Jahre später reiste Eva Leitolf durch Namibia, dreimal für je vier, fünf Wochen. Künstlerisch wollte sie mit ihrer Spurensuche an ein früheres Projekt anknüpfen: Vor zwölf Jahren beschäftigte sie sich in „Deutschen Bildern“ schon einmal mit dem Themenkreis Identität und Rassismus. Dieses Mal jedoch empfand Leitolf ihre Arbeit als „strenger, reduzierter, konzentrierter“. Obwohl die Fotos in Namibia nicht gestellt sind, wirken sie teilweise wie inszeniert. Kein Zufall: „Ich hatte das Gefühl, das ist wie eine Bühne.“ Langsam erarbeitete sich Leitolf das fremde Terrain, in vielen Begegnungen und mit der stoischen Grundhaltung: „Warten, warten, warten.“

Die entstandenen Bilder, die von heute Abend an unter dem Titel „Rostock Ritz“ im Völkerkundemuseum zu sehen sind, stellen Fragen nach der Identität im Namibia von heute. Die „schwelende Vergangenheit“, die Diskrepanz zwischen der Vision von einem besseren, harmonischen Leben und der Verdrängung des Ist-Zustands will Leitolf spiegeln, ohne dem Betrachter eindeutige Botschaften didaktisch aufzudrängen.

Das Experiment ist gelungen – als Buch. Im großzügig gestalteten Bildband „Rostock Ritz“ haben die Fotos Raum und Luft, und die Begleittexte schließen Wissenslücken, ohne die Neugierde zu erschöpfen. Der Ausstellung im Völkerkundemuseum jedoch sieht man an, dass sie kurzfristig geplant und mit wenig Geld und Phantasie umgesetzt wurde:
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