Eva Leitolf





Nun dreht sich der Wind. Hier ist ein scharfsinniges, farbiges Buch, das ohne Verlagsangabe zur Eröffnung einer Ausstellung des Staatlichen Museums für Völkerkunde in München erscheint. Die Bilder werden begleitet von einem umfassenden Textteil, der die Geschichte und Gegenwart der Deutschen in Namibia in mehreren, präzise akquirierten Beiträgen verständlich und nachvollziehbar macht.

Die sich heute aus unterschiedlichen Gründen in Namibia "Deutsche" nennen, sind eine bizarre Spezies unter den Nachkommen der Kolonialherren: entmachtet in Versailles, ausgebootet von den Buren, den Nazis hinterhergelaufen, vom Apartheid-Regime Südafrikas beschützt, sind sie nun so etwas wie historische Albinos, pragmatisch integriert, und doch in nahezu tragischer Weise ausgestellt. Eva Leitolf beobachtet sie, wie sie feiertags vor Symbolen strammstehen, die nicht einmal mehr goetheinstitutskompatibel sind. Sie gehört zu den wenigen Fotografen, denen es in einer solchen Situation dennoch gelingt, Bilder zu finden, die an unsere Erfahrungen von Vertrautem aufs Unheimlichste anschließen.

© Ulf Erdmann Ziegler
Frankfurter Rundschau, 23.2.2005
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