Eva Leitolf







Lebenswirklichkeit. So ist der Betrachter darauf angewiesen, alle Informationen den Bildern selbst zu entnehmen. Eva Leitolf ist sich dieses Umstandes bewusst und reagiert darauf in überraschender Weise: sie reduziert die narrativen Elemente und schafft im gleichen Zug atmosphärisch verdichtete Bilder, die erzählen, ohne zu berichten.

Das Titelbild des Buches „Rostock Ritz“ zeigt zwei weiße Männer auf der Jagd, ein dritter, schwarzer Mann begleitet sie. Die beiden Weißen sind mit allen notwendigen Insignien ausgezeichnet: im Safaristil gekleidet besitzen sie die Fernstecher, um das Wild zu beobachten, die Gewehre, um es zu erlegen. Zwischen ihnen ist der Schwarzafrikaner zu sehen, ohne Waffen und in das eigentliche Vorhaben nicht eingebunden. Sicherlich ist er ein so genannter boy, der beim Jagdausflug hilft, die Mahlzeiten herrichtet oder das erlegte Wild heranschafft. Eva Leitolf manifestiert in ihrer Bildkomposition die sozialen Hierarchien, sie zeigt uns den dritten Mann, der scheinbar teilnahmslos das Geschehen verfolgt, auch in seiner Gefangenheit. Betrachtet man weitere Bilder, auf denen Weiße, zumeist deutschstämmige Namibier, zu sehen sind, entsteht der Eindruck, als würden sie sich mit aller Selbstverständlichkeit in einem nach ihren Vorstellungen domestizierten Land bewegen. Bestimmend und raumgreifend ist ihre Körpersprache, ihre Farmhäuser und Ländereien klar begrenzt und definiert. Gebräuche und Rituale aus der deutschen Heimat bestimmen das gesellschaftliche Miteinander, von dem Schwarze ausgeschlossen sind. So skurril manche Handlungen auch anmuten, – etwa wenn man ein Farmerspaar vor seinem penibel gepflegten Haus beobachtet, wie es sich für den Karnevalsumzug herrichtet, im Hintergrund eine Palme vor sonnig blauem Himmel – gibt Eva Leitolf ihre Protagonisten nie der Lächerlichkeit preis. Sie legt Widersprüche dar, wenn sie die Häuser und Orte der Weißen wie Versatzstücke beschreibt, in ein Umfeld hineingestellt, in dem sie nicht authentisch sind und auch nie sein werden. Im Gegensatz dazu begegnen wir Einheimischen, zumeist Hereros, die eine lebendige Erinnerungskultur praktizieren. Doch die räumlichen Grenzen, in denen sie agieren, sind nicht definiert, nicht mit Zeichen des Besitzes markiert. In ihren Ritualen nehmen sie Bezug auf die
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