Eva Leitolf
Deutsche Bilder - eine Spurensuche 1992-1994 / 2006-2008

Serie von 24 + 20 Fotografien,
C-Prints, jeweils 81 x 69 cm / 66,5 x 53,5 cm, Auflage 6+1


Haltestelle, Potsdam, 2006

Am frühen Morgen des Ostersonntags 2006 wird ein schwarzer Deutscher in Potsdam von zwei Unbekannten so schwer verletzt, dass ihn die Ärzte wegen seines Schädelbruchs für mehrere Wochen in ein künstliches Koma versetzen müssen. Erste Ermittlungen lassen einen rassistischen Hintergrund des Überfalls vermuten: kurz vor der Tat schneidet die Handy-Mailbox der vom Opfer angerufenen Ehefrau "dreckiger Nigger" mit. Der Generalbundesanwalt zieht die Ermittlungen mit der Begründung an sich, dass das mögliche rassistische Motiv geeignet sei "die innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinflussen". Einem der beiden festgenommenen Tatverdächtigen wird gefährliche Körperverletzung, dem zweiten unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Die Polizei entdeckt im Auto der Tatverdächtigen rechtsradikale Musik. Beide Angeklagten bestreiten, zum Zeitpunkt der Tat am Tatort gewesen zu sein. Zwei Gutachten können die Stimme des Hauptbeschuldigten auf der Mailbox nicht zweifelsfrei identifizieren. Da sich die Anklage im Wesentlichen auf diesen Mitschnitt stützt, werden am 23. Mai die Haftbefehle wieder aufgehoben. Drei Tage später gibt auch der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wieder an die Potsdamer Staatsanwaltschaft ab, da die rassistischen Äußerungen der mutmaßlichen Täter in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Tat stünden. Die Nebenklage plädiert, wie alle Prozessparteien, auf Freispruch, zeigt sich aber dennoch überzeugt davon, dass es sich um eine rassistisch motivierte Tat handelte. Die Angeklagten werden freigesprochen.
zurück zu Arbeiten
Presse
Statement
Buch
<<
>>
© Eva Leitolf 2008, VG Bild-Kunst